Wir retten hier und jetzt.

Andreas Schiessler berichtet im Interview über seine Arbeit auf der Rettungswache des Arbeiter-Samariter-Bundes in Kaufbeuren.

Andreas Schiessler schätzt an seinem Beruf die Abwechslung: "Man weiß wirklich nie, was einen erwartet."

Was war für Sie der Auslöser, dass Sie sich für den Beruf des Rettungsassistenten entschieden haben?

Meine Anfänge im Bereich des Rettungsdienstes liegen bei der Wasserwacht hier in Kaufbeuren. Dort hatte ich zunächst einen Sanitätskurs belegt und bin später als dritter Mann im Rettungswagen mitgefahren. Dies hat mich sehr interessiert und auch neugierig auf mehr gemacht. Dann kam der Wechsel in die Bereitschaft des Bayerischen Roten Kreuzes in Kaufbeuren, wo ich viele unterschiedliche Sanitätsdienste gemacht habe.

Dann gab es praktisch kein Zurück mehr...

Ganz genau. Im Jahr 2010 habe ich den Lehrgang zum Rettungssanitäter erfolgreich abgeschlossen und durfte in der Folge im Rettungswagen als Fahrer und im Krankenwagen als  Beifahrer mitanpacken. Das hat mich zusätzlich darin bestärkt, Rettungsassistent werden zu wollen. Und das, obwohl ich mich zu dem Zeitpunkt in einer Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker befunden und diese auch mit Erfolg abgeschlossen habe. Im Anschluss daran habe ich dann aber in Nordrhein-Westfalen die Ausbildung zum Rettungsassistenten absolviert und mich beim ASB Kaufbeuren beworben. Das hat geklappt; im September 2011 bin ich zurück ins Allgäu. Nach meinem Anerkennungsjahr habe ich dann einen festen Vertrag als Rettungsassistent erhalten und bin seitdem hier.

Was ist das Besondere an dem Beruf? Worin liegt der Reiz?

Keine Frage: die Abwechslung. Man weiß wirklich nie, was einen erwartet. Jeder Einsatz ist anders, sogar dann, wenn man es mit demselben Krankheitsbild zu tun hat. Der Umgang mit den verschiedensten Menschen Altersgruppen und Religionen ist einfach ungemein spannend. Bei dem Job muss man nicht stundenlang monoton vor dem Computer-Bildschirm sitzen. Man arbeitet mal im Freien, mal innerhalb von Häusern; es kann entspannt ablaufen, aber natürlich auch schon mal hektisch werden. Die Mischung aus allem ist einfach perfekt.

Wie hat man sich die Zusammenarbeit mit den Notärzten vorzustellen?

Die Zusammenarbeit klappt wirklich reibungslos. Wir Rettungsassistenten haben eine hervorragende Stellung bei den Notärzten, dürfen viel machen. Bis der Notarzt am Unfallort oder beim Patienten eingetroffen ist, können wir ja schon viele wichtige Handgriffe erledigen. Der Kontakt zu den Ärzten ist wirklich rundum super. Man kann sie zu allen Fachgebieten befragen, man tauscht sich viel aus oder trifft sich in der Klinik oder auf der Wache einfach mal auf einen Kaffee.

Welche Art von Einsätzen haben Sie und Ihre Kollegen hier in Kaufbeuren in erster Linie zu bewältigen?

Internistische Einsätze. Vom akuten Abdomen über Herzinfarkte oder Atemnot und Asthma. Unfälle passieren auch hin und wieder, aber in einem überschaubaren Rahmen. Hier in Kaufbeuren werden wir aber auch immer wieder zu psychischen Notfällen gerufen. Das hängt sicherlich damit zusammen, dass sich hier in der Stadt das Bezirkskrankenhaus befindet, also die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik – inklusive Forensik. Das ist der Grund, dass es hier im Vergleich zu anderen Standorten häufiger zu Einsätzen kommt, die in Bezug zu Drogen, Alkohol und psychischen Erkrankungen stehen.

Wie ist die Stimmung innerhalb eures Teams in Kaufbeuren?

Im Grunde ist die Stimmung super. Es gibt natürlich auch Tage, an denen der eine oder andere mal etwas gereizt ist und an denen folglich ein Knistern in der Luft liegt. Aber das hält sich in Grenzen. Das liegt wohl nicht zuletzt auch daran, dass bei uns nur Männer auf der Wache arbeiten (lacht).